"Zwischen Lachen und Spielen werden
die Seelen gesund"

(Arabisches Sprichwort)

„Kinder und Jugendliche im Netz: Zwischen Faszination und Gefahr“

Medienpädagogin und Podcasterin Saskia Nakari klärte in der Erftalhalle in Hardheim über die Gefahren im digitalen Raum auf.

(AW) Auf Einladung des Kinderschutzbundes Neckar-Odenwald-Kreis kam die Medienpädagogin Saskia Nakari, Referentin für Jugendmedienschutz am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Host des Podcasts „Schoolcrime- Smartphones in Kinderhand“ nach Hardheim in die Erftalhalle. Sie berichtete den Eltern aus „erster Hand“, welchen digitalen Herausforderungen die heutige Jugend ausgesetzt ist.

„Das Internet und soziale Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen heute nicht mehr wegzudenken.“. Doch mit den neuen Möglichkeiten wachsen auch die Gefahren. Ein überbordender Handykonsum kann negative Folgen für das Kind/ den Jugendlichen haben: Sie leiden unter „Zeitmangel“, denn alleine das Anschauen von Push-Nachrichten ist sehr zeitraubend (alleine bis zu 2300 WhatsApp-Nachrichten pro Tag aus dem Klassenchat müssen gelesen werden!). Während der Hausaufgaben sollte das Smartphone außer Reichweite aufbewahrt werden, denn nachweislich stört jede Unterbrechung, jede Ablenkung die Konzentration. Oftmals ist auch die Nachtruhe durch das neben dem Bett gelagerte Handy erschwert: hier hilft es, das Handy in den Ruhe- oder Flugmodus zu schalten, Töne und Lichter auszuschalten.

Zum eigentlichen Thema des Vortrages, nämlich die „sexuellen Grenzüberschreitungen im digitalen Raum“ konnte Frau Nakari von einem Experiment berichten, das RTL in Zusammenarbeit mit ihr und einer Psychologin durchgeführt hat. (zu sehen auf YouTube „Angriff auf unsere Kinder – Der Feind im Chat“ RTL DOKU)

Hier gaben sich zwei Schauspielerinnen online als 12-jährige Mädchen aus und eröffneten einen Account in Snapchat. Innerhalb weniger Tage wurden sie mit dutzenden Grooming-Versuchen konfrontiert – Manipulation, Druck und sexualisierte Nachrichten. Allein während der Aufzeichnung der Doku, erfolgten 17 Anzeigen bei der Polizei, denn schon die sexuelle Anbahnung über soziale Medien ist strafbar.

Die sexuelle Gewalt im digitalen Raum ist vielschichtig: sexuelle Kommentare, Bodyshaming, Upskirting, das Versenden von „DicPics“ und pornografischen Schriften, Cybergrooming, Sextortion, Victim Blaming, Sharegewaltigung und Livestream-Mißbrauch: alles findet auf den Handys unserer Kinder statt. Eltern ist oft nicht klar, mit welchen Themen die Kinder schon in jungen Jahren im Internet konfrontiert werden.

Nakari, selbst Mutter von zwei Jugendlichen, appellierte an die ZuhörerInnen: „Bitte sensibilisieren Sie Ihre Kinder auf die Gefahren im Livechat!“ Helfen kann hierbei die sogenannte FANTA-Regel, die beschreibt, was Kinder und Jugendliche NIEMALS im Chat preisgeben sollten:

Fotos, Alter, Name, Telefonnummer und Adresse.

Zudem sollten Eltern ihren Kindern Mut machen: „Kommt zu uns, wenn auf eurem Handy sexualisierte Nachrichten oder Bilder sind; vertraut uns, wir schimpfen nicht.“

Und: „Erstatten Sie Anzeige, damit die große Dunkelziffer von sexualisierter Gewalt im Netz endlich eingedämmt wird!“ ergänzte Frau Nakari. Ein weiterer Tipp war das Zusammenstellen von Telefonnummern: Kriminalpolizei, Polizei, Schulsozialarbeiter und bundesweite Hilfenummern wären somit im Fall der Fälle immer greifbar.

„Bitte sagen Sie Ihren Kindern, dass das Filmen und Weiterleiten von sexualisierten Texten und Bildern strafbar ist!“

Damit sexuelle Belästigungen in den von den Kindern genutzten Medien eingedämmt werden, sollten Eltern die Handys, Tablets und Rechner ihrer Kinder kindersicher machen. Wie das geht, kann auf „Medien-kindersicher.de“ nachgelesen werden. Und natürlich sollten Eltern über das Bescheid wissen, was ihre Kinder online spielen, welche Apps sie sich heruntergeladen haben usw. Hier stehen Eltern in der Verantwortung: ihre Kinder sind bis 14 Jahre nicht geschäftsfähig, WhatsApp darf erst ab 13 Jahren genutzt werden und letztendlich greift vor allem die Fürsorgepflicht der Eltern gegenüber ihren Kindern und Jugendlichen.

Nach ihrem Vortrag nahm sich Saskia Nakari sehr viel Zeit, um die zahlreichen Fragen der interessierten Hörerschaft zu beantworten. Immer wieder wies sie auf ihren Podcast „Schoolcrime-Smartphones in Kinderhand“ hin, in dem sie mit verschiedenen Fachleuten wirklich stattgefundene „Smartphonefälle“ bespricht.

Zum Abschluss des sehr informativen Abends bedankte sich die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Vera Hefner, bei Frau Nakari und überreichte ein kleines Präsent. Um weiterhin in Kontakt mit dem Neckar-Odenwald-Kreis zu bleiben, steht nun die Überlegung im Raum, im nächsten Jahr einen online-Vortrag anzubieten.